ARD Plus unter die Lupe genommen

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Hinter ARD Plus steckt ein Streamingangebot der ARD, das mit monatlich 4,99 Euro zu Buche schlägt und seit 18. Oktober 2022 eigenständig am Start ist. Die Nutzung ist selbstverständlich freiwillig, viele Medien und Nutzer kritisieren den Preis. Nicht unbedingt die Höhe, sondern dass es überhaupt einen gibt.

Auf den ersten Blick ist es sogar nachvollziehbar, denn die ARD erhält sehr viel Geld aus dem Rundfunkbeitrag. Theoretisch könnte der Streamingdienst über die Beitragsgelder abgewickelt werden, doch so einfach ist es nicht. Selbst der Wille würde es nicht erlauben, die aktuellen Gesetze lassen es nämlich nicht zu. Und auch „zu günstige“ Preise wie 99 Cent sind verboten. Die kritischen Stimmen sind somit unbegründet, man muss sich nur einmal mit dem Thema auseinandersetzen.

Rechtlich kann ARD Plus gar nicht kostenlos angeboten werden

ARD Plus ist eine kommerzielle Tochterfirma. Dieses Detail ist wichtig, wenn es um die Einnahmen der Rundfunkbeiträge geht. Diese dürfen nämlich ausschließlich für die öffentlich-rechtlichen Aufgaben eingesetzt werden, dazu gehören unter anderem die Fernsehprogramme und der Hörfunk. Ist ein Angebot außerhalb dieses Rahmens, dann dürfen die Beiträge vom Rundfunk nicht dafür eingesetzt werden. Dazu gehört eben auch ARD Plus als Streamingdienst.

Ein Marktpreis ist Pflicht

Als kommerzielle Tochterfirma gibt es noch eine weitere Pflicht, nämlich bei der Preisgestaltung. Genauer gesagt schreibt der Medienstaatsvertrag einen Marktpreis vor, man muss sich somit dem Markt anpassen und ähnliche Kosten verlangen. Einen symbolischen Preis zu nennen, ist nicht erlaubt.

Vielen Endverbrauchern sind diese Vorschriften nicht bekannt und es kommt zu den kritischen Stimmen, für die der ARD eigentlich gar nichts kann.

Die Mediathek der ARD hat eine zeitliche Begrenzung

Der Medienstaatsvertrag greift auch in die Mediatheken ein. Es darf zeitlich nicht einfach nach Lust und Laune eingestellt werden, sondern es gibt klare Regeln. Die maximale Dauer ist vom Genre abhängig, zurzeit laufende Großereignisse haben beispielsweise eine Frist von sieben Tagen. Das Maximum sind fünf Jahre, in diese Kategorie fallen zum Beispiel Kinderinhalte. Ein paar wenige Ausnahmen sind unbefristet, allen voran zeitgeschichtliche Archive.

Manchmal wird die Zeit auch durch die Rechtelage beeinflusst. Je nach Sendung gibt es Unterschiede, wie lange die verschiedenen Rechte (Bild, Lizenz und Musik) bestehen.

Die Besonderheit von ARD Plus

Der Kern vom Streamingdienst ARD Plus sind Produktionen und Sendungen, die das aktuelle Programm nicht mehr hergibt. Das beste Beispiel dafür ist Tatort und die älteren Ausgaben davon. Wer diese sehen will, der wird nur beim Plus-Angebot fündig werden. Wie oben bereits erwähnt, erlaubt der Medienstaatsvertrag kein dauerhaftes Parken in der Mediathek von ARD, sodass das Streamingangebot durchaus Sinn ergibt. Dieses Prinzip setzt sich durch die Bank fort, mit dabei sind beispielsweise auch bekannte Kinderfilme.

Fazit: Der Einzelfall entscheidet

ARD muss für sein Plus-Angebot laut Gesetz einen marktkonformen Preis verlangen. Außerdem dürfen die Rundfunkbeiträge nicht dafür eingesetzt werden. Wer mit ARD eher weniger am Hut hat, für den lohnt sich das Plus-Modell nicht. Wer aber zum Beispiel gerne die älteren Tatort-Filme schaut und generell auf sonst nicht mehr verfügbare ARD-Inhalte zugreifen möchte, der ist mit dem Abo gut bedient.